Neue Behandlungsmöglichkeiten mit Neuraminidase-Hemmern

Die gefürchtete Virus-Grippe (Influenza) ist therapierbar mit den sogenannten „Neuraminidase-Hemmern“. Diese wirken gezielt gegen Influenza A- und B-Viren und haben eine neue Ära in der Behandlung der Grippe eingeleitet.

Wie wirken Neuraminidase-Hemmer?

Sie sind spezifisch gegen die Neuraminidase auf der Virusoberfläche gerichtet, ein Enzym das für die Ausbreitung der Influenza-Viren wichtig ist.
Wird die Neuraminidase blockiert, können sich die Influenza-Viren nicht mehr von der Zelloberfläche ablösen und im Körper ausbreiten. Die Ausbreitung der Infektion wird damit gestoppt.

Wirken die Neuraminidase-Hemmer auch, wenn sich die Influenza-Viren verändern?

Ja. Denn sie blockieren das aktive Zentrum der Neuraminidase, das bei allen Influenza A- und B-Viren immer die gleiche Struktur hat, selbst wenn sich andere Bereiche des Neuraminidase-Enzyms verändern.
Deshalb ist die Wirksamkeit der Neuraminidase-Hemmer unabhängig von den Veränderungen der Influenza-Viren. Im Unterschied dazu kann aber die vorbeugende Wirkung der Grippe-Schutzimpfung durch solche Veränderungen der Influenza-Viren beeinträchtigt werden.
Auch das Pandemievirus (H1N1) („Schweinegrippe“) und der Erreger der Vogelgrippe (H5N1) ist ein Influenza A-Virus. Es wurde gezeigt, dass Neuraminidase-Hemmer auch gegen diese Viren wirken.
Es besteht allerdings das Risiko einer Veränderung der Viren durch eine sogenannte Mutation. Dadurch kann es zu einer reduzierten Empfindlichkeit bzw. vollständigen Resistenz des Virus gegenüber Neuraminidase-Hemmern kommen. Bei diesen resistenten Viren kam es allerdings nicht zu einer Übertragung auf andere Personen. Resistente Influenza B-Viren traten nicht auf. Die Resistenzbildung gegenüber Neuraminidase-Hemmern ist bislang sehr niedrig und wird kontinuierlich überwacht.

Wie erfolgt die Anwendung der Neuraminidase-Hemmer?

Der neueste Neuraminidase-Hemmer ist als Kapsel oder Suspension einfach und zuverlässig anzuwenden.
Nach der Einnahme wird das Medikament über den Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn aufgenommen – somit wird sichergestellt, dass sich das Medikament im Körper verteilt und an allen Orten der Virusvermehrung wirken kann.  

Wie schnell muss mit der Behandlung begonnen werden?

Je früher die Influenza diagnostiziert und mit der Behandlung begonnen wird, desto schneller kann die Ausbreitung der Viren gestoppt werden und desto geringer sind die Schäden im Körper.

Was bewirken die Neuraminidase-Hemmer?

Die frühzeitige Behandlung mit den Neuraminidase-Hemmern verhindert die Ausbreitung der Influenza-Viren im Körper.

  • Daher gehen weniger Zellen in Ihren Atemwegen zugrunde.

  • Die Entzündung der Luftwege fällt geringer aus und lokale Beschwerden wie Husten oder Halsschmerzen werden gelindert.

  • Außerdem werden weniger Entzündungsstoffe im Körper freigesetzt, die für die Allgemeinsymptome der Grippe, wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen verantwortlich sind.

Die Krankheitszeichen sind geringer ausgeprägt, die Krankheitsdauer wird verkürzt. Sie fühlen sich bald besser, kommen schneller auf die Beine und können früher Ihren gewohnten Aktivitäten nachgehen.
Klinische Studien zeigen bei Erwachsenen die Reduzierung der Häufigkeit des Auftretens von antibiotika-pflichtigen Infektionen der unteren Atemwege um 55% und bei Kindern die von Mittelohrentzündungen um 40%.

Soll ich erst noch abwarten?

Nein, auf keinen Fall. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie influenza-typische Symptome bei sich bemerken.
Wenn Sie abwarten, wie sich die Erkrankung bei Ihnen entwickelt, verpassen Sie den günstigen Zeitpunkt für eine ursächliche Behandlung mit Neuraminidase-Hemmern.
Denken Sie daran: Während Sie noch abwarten, läuft die Vermehrung der Viren schon auf Hochtouren.

Je länger die Influenza-Viren Schäden in den Atemwegen anrichten können, umso häufiger treten zusätzliche Infektionen mit Bakterien auf. Dann kann die Einnahme von Antibiotika erforderlich werden. Influenza

Wann werden Antibiotika eingesetzt?

Weil Antibiotika nur Bakterien bekämpfen und gegen Viren nutzlos sind, können sie die Influenza-Erkrankung nicht ursächlich bessern. Daher ist der Einsatz von Antibiotika erst nach Auftreten von bakteriellen Komplikationen in Folge der Influenza indiziert. Ihr Arzt wird über den sinnvollen Einsatz von Antibiotika entscheiden.
Treten in Folge der Influenza bakterielle Komplikationen auf, sind Antibiotika die Mittel der Wahl.

Reichen symptomlindernde Medikamente nicht aus?

Weil symptomlindernde Medikamente die Vermehrung und Ausbreitung der Influenza-Viren nicht aufhalten, können Sie nicht die Ursache der Krankheit bekämpfen und verschaffen lediglich kurzfristig Linderung.
Komplikationen wie Lungenentzündung oder Bronchitis, die durch Bakterien hervorgerufen werden, lassen sich mit symptomlindernden Medikamenten in der Regel nicht verhindern.

Welche zusätzlichen Maßnahmen soll ich noch beachten?

Während der akuten Phase der Erkrankung ist es wichtig, Bettruhe einzuhalten und auch anschließend sollten Sie sich noch einige Zeit schonen.
Gurgeln mit Salzlösung und heiße Getränke können die Rachenentzündung lindern.

Weiterhin wirken Inhalationen mit Salzlösungen oder Warmdampf (z.B. mit Kamillenlösung) oft wohltuend.

Bei Fieber sollten Sie ausreichend trinken, denn Ihr Körper verliert durch das Schwitzen viel Flüssigkeit. Kaffee, schwarzer Tee und Alkohol sind allerdings weniger geeignet.

Wie wurde die Influenza vor Einführung der Neuraminidase-Hemmer behandelt?

Bis vor nicht allzu langer Zeit waren die Behandlungsmöglichkeiten bei Influenza begrenzt. Gegen die eigentliche Ursache der Erkrankung, die Influenza-Viren, war man machtlos.

An Medikamenten, die gegen Influenza-Viren wirksam sind, stand lange nur das Amantadin zur Verfügung.

  • Amantadin wirkt aber ausschließlich gegen Influenza A-Viren und nicht gegen Influenza B-Viren.

  • Weil anhand der Krankheitszeichen nicht zwischen Influenza A- und B-Viren zu unterscheiden ist, limitiert sich der Einsatz dieser Präparate.

  • Amantadin kann unangenehme Nebenwirkungen am zentralen Nervensystem hervorrufen.

  • Außerdem werden die Grippe-Viren schnell unempfindlich gegen das Medikament: eine so genannte "Resistenz" tritt auf.

Meist wurden die Symptome wie Fieber, Husten oder Schmerzen mit rezeptfreien Medikamenten behandelt.